2012-01-23

Ernährungswende

Von umweltundenergie @ 08:38 [ Allgemein ]
Grosse Aufmerksamkeit erhielten in den letzten Wochen Berichte über das Phänomen des "Containerns". Auch Dumpster Diving genannt, bezeichnet die Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern von Supermärkten und Fabriken. Die Nahrungsmittel werden meist wegen abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdaten, Druck- und Gammelstellen oder als Überschuss und aus optischen Gründen weggeworfen.

Was zunächst nur wie Respektlosigkeit gegenüber Lebensmitteln aussieht, ist vielmehr ein unseliges Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, so sieht es Joao Ameida. Er zeigte in seiner Master-Studie in Sustainable Development an der Uni Basel auf, dass jährlich ein Drittel an essbaren Lebensmitteln für die Schweiz* im Abfall landet oder vergärt, kompostiert oder verbrannt wird.

In dem kürzlich angelaufenen Kinofilm 'Taste the Waste' geht es um das ganze Ausmass der Lebensmittelverschwendung rund um den Globus: Während in vielen Teilen der Welt Menschen mit Mangelversorgung und Unterernährung zu kämpfen haben, und selbst Grundnahrungsmittel kaum verfügbar sind, werden KonsumentInnen hierzulande von Billigangeboten und einer scheinbar grenzenlosen Produktvielfalt überschwemmt, von dem ein Grossteil dann im Müll landet.

Die Autoren des Buches 'Die Essensvernichter' haben berechnet, dass wir mit der Halbierung des Lebensmittelmülls ebenso viele Klimagase sparen würden, wie wenn jedes zweite Auto stillgelegt werden würde. Ihr Lösungsvorschlag lautet: sparsamer leben, Energien effizienter und Böden nachhaltiger nutzen und bewusster mit sich und der Umwelt umgehen. Auch das EU-Parlament fordert am letzten Donnerstag 19. Januar nun auch dringend Maßnahmen, um die Lebensmittelverschwendung in der EU bis 2025 um die Hälfte zu verringern.

Für eine bäuerliche nachhaltige und gesunde Landwirtschaft demonstrierten am vergangenen Samstag, 21. Januar in Berlin Zehntausende von VerbraucherInnen, BäuerInnen, Tier- und UmweltschützerInnen, entwicklungspolitische Organisationen und kirchliche Verbände. Sie forderten anlässlich der Internationalen Landwirtschaftsmesse 'Grüne Woche' eine Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik.

Die Nachrichten über Lebensmittelskandale und Fehl-und Mangelernährung reissen nicht ab. Braucht es nach der Energiewende nun eine Ernährungswende?
Brot
*Derzeitige Verschwendung in der EU: 89 Mio. t pro Jahr (179 kg pro Kopf)
Prognose für 2020 (bei anhaltendem Trend): 126 Mio. t pro Jahr (40 % Zuwachs)
(Quelle: Europäische Kommission)


2012-01-03

Wir sind dann mal hier

Von umweltundenergie @ 15:54 [ Mobilität ]
"Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii, ging nie durch San Francisco in zerrriss'nen Jeans. Ich war war noch niemals richtig frei, einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh'n…." Udo Jürgens erzählt in seinem Lied von Sehnsüchten, Träumen und dem Wunsch, die Welt zu erobern.

Heute, 30 Jahre später, kennt die Generation seiner Kinder und Enkel alle möglichen fernen Länder wie Neuseeland, Südostasien, Kanada und grosse Städte wie Dehli und New York. Fernreisen sind erschwinglich geworden. Es ist kein Luxus mehr, auf den Seychellen am Strand zu liegen. Reisen mit dem Billigflieger ist eine massenhafte, warenförmige, globale Erscheinung geworden.

Dabei sind Flugreisen der Klimakiller Nr. 1 im Tourismus. Ein Flug nach Thailand schlägt z.B. mit 6,5 Tonnen CO2 pro Passagier zu Buche. Das forum anders reisen empfiehlt deshalb eine 3-Jahres-Formel: je einmal in die Ferne, einmal innerhalb Europas und einmal Urlaub im eigenen Land.

Mal hierbleiben und wirklich entschleunigen, statt Events und Party auf Mallorca? Langsam reisen und einmal Europa erkunden mit dem guten alten Interrail? Und wenn schon weit weg, dann ökologisch, fair und länger verweilen. Für Fairness und Respekt gegenüber Umwelt und Menschen setzt sich z.B. der Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung mit Sitz in Basel ein. Zukunftsfähig reisen heisst für ihn: Zeit nehmen, fairer Austausch, Nutzen für die Einheimischen, faire Preise, Respekt vor Lebensgrundlagen.

Liegt Ihr diesjähriges Urlaubsziel in der weiten Ferne nebenan, auf dem Bauernhof im Emmental, in den Bergen, im Kloster? Oder zieht es Sie in die Eco-Lodge nach Ecuador oder Costa Rica? Entschleunigen, fernes Abenteuer oder Fluchtpunkt all inclusive? Was können Sie weiter empfehlen?
Goms
Feriengrüsse von hier (Region Goms im Schweizer Kanton Wallis)

2011-12-19

Oh Tannenbaum

Von umweltundenergie @ 10:21 [ Allgemein ]
Um den Weihnachtsbaum in der Stube kommt man zum Weihnachtsfest bei uns in den gemässigten Breiten kaum herum - es sei denn man geht in den Wald und feiert vor Ort Waldweihnachten. Wegen ihrer guten Haltbarkeit ist die Nordmanntanne hierzulande besonders beliebt. Sie wird neuerdings übrigens auch nach Abu Dhabi und Dubai per Flugzeug exportiert und kitschig geschmückt sogar bis nach China geschifft – als Symbol für Wohlstand und Shopping-Kultur.

Eine Million Christbäume werden jährlich in der Schweiz verkauft. Davon werden nach Angaben des Beobachter 60 bis 80 Prozent von weit hergeholt, mehrheitlich aus Plantagen in Dänemark und Deutschland. Diese Bäume sind konfektionierte Massenware, die unter Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden angebaut werden. Farbverstärker sollen sie noch grüner machen, als sie schon sind.

Wer die Umwelt schonen will, setzt auf heimische Bäume. Mit einer 14 Meter hohen Fichte als Symbol zur Förderung der einheimischen Christbaumproduktion empfehlen sich die IG Suisse Christbaum und Waldwirtschaft Schweiz auf dem Berner Bundesplatz. Egal, ob Weisstanne, Fichte, Nobilistanne oder Schweizer Nordmannstanne, ihre Ökobilanz ist auch ohne Biolabel besser, als von Bäumen, die durch ganz Europa transportiert wurden. Ebenfalls empfehlenswert sind Bäume mit dem Bio- und FSC-Label oder eben dem Label IG Suisse Christbaum.

Die Forstverwaltung der Bürgergemeinde der Stadt Basel verkauft beim Werkhof hinter der Endstation der Tramlinie 3 in Birsfelden auch in diesem Jahr noch bis zum 23. Dezember (täglich 13 bis 18.30 Uhr) Bäume, Äste und Brennholz. Alle Holzprodukte stammen aus den eigenen Waldungen und aus einer Kultur im Baselbiet. Im Allschwiler Wald beim "Ziegelhofhag" kann man am 23. Dezember (13 bis 16 Uhr) noch heimische Weihnachtsbäume bekommen. Lokaler ist wohl nur noch die Fichte aus dem Blumentopf vom heimischen Balkon.

Welchen Tannenbaum werden Sie am Heiligabend besingen?
Tannenbaum
Tannenbaum im Rathaus von Basel

2011-12-06

Maximal reduzieren

Von umweltundenergie @ 11:22 [ Allgemein ]
Die 2000 Watt-Gesellschaft ist bis ca. 2075 machbar, wenn wir alle Optionen nutzen. So lautet die Prognose zu den energetischen Potentialen für Basel-Stadt. Entscheidende Stellschraube auf dem Weg zu einer 2000-Watt-Gesellschaft ist ein Dreiklang aus Energieeffizienz, erneuerbarer Energie und ein suffizienter, genügsamer Lebensstil. Zwei der drei Klänge sind derzeit tonangebend: Mit grossen Anstrengungen wird Energie besser ausgenutzt und z.B. Häuser energetisch gedämmt. Ausserdem soll der Wärme- und Strombedarf überwiegend aus erneuerbaren Energiequellen, wie Wasser-, Wind und Solarkraft gedeckt werden.

Gleichzeitig werden Geräte und Fahrzeuge zwar immer sparsamer, aber dafür sehr viel schwerer, grösser und mehr. In der Summe steigt der Energieverbrauch trotz Einsparungen. Das ist die Rebound-Wirkung, der Bumerang-Effekt der Energieeffizienz.

Wenn wir am Klimaziel bis 2050 festhalten und die Erderwärmung in Grenzen halten wollen, braucht es auch den dritten Klang: Suffizienz. Energieeffizienz und erneuerbare Energien allein reichen nicht. Wir müssen weniger Energie verbrauchen und uns von der Wegwerfgesellschaft abwenden.

Effizienz bedeutet neue Technologien, Suffizienz heisst Umdenken. Und das fällt uns meist nicht leicht und es ist unpopulär. Dabei meint Suffizienz nicht einfach nur Verzicht, sondern den richtigen Weg finden zwischen Mangel und Übermass. Das Thema ist heikel. Denn wie viel ist genug – beim Wohnen, beim Einkaufen, bei der Mobilität etc.?

Erst eine Minderheit ist der Ansicht, dass die Industrieländer mit ihrem Lebensstandard die Natur übernutzen und sind bereit, einen Suffizienz-Beitrag zu leisten. Die 5 bis 10 % freiwillig Veränderungsbereiten sind vor allem in der sozialen Mittelschicht zu suchen, heisst es in einer Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Und Veränderungen brauchen Zeit und Auseinandersetzung, damit das erforderliche 'Weniger' an Strom, Kalorien, Flugmeilen, Fahrzeugkilometern, Raumtemperaturen zu einem 'Mehr' an Lebensqualität und Lebenszufriedenheit wird.

Weniger, langsamer, regionaler – wie tönt das in Ihren Ohren? Und wie geht das im realen Leben? Wir freuen uns auf Ihre Meinung.
Bitte wenden Sie
Achtung: Sie haben Ihr Ziel noch nicht erreicht. Bitte wenden Sie jetzt!

2011-11-21

Adieu Linde, Ginko Ahoi

Von umweltundenergie @ 10:10 [ Allgemein ]
Gesucht wird der Baum der Zukunft: Er soll Hitze und Trockenheit aushalten und resistent gegen Schädlinge sein. Deshalb fahnden Wissenschaftler nach Bäumen, die mit den zunehmenden Wetterextremen zurechtkommen. Das 10jährige Forschungsprojekt 'Stadtgrün 2021' an der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau ist das grösste Vorhaben seiner Art in Europa.

Auch in Basel macht die zunehmend strapaziöse Witterung das Leben der klassischen Strassenbäume, wie Linde, Ahorn und Rosskastanie immer schwerer. Augenfällig und ungewöhnlich war der diesjährige Laubfall schon im August. An manchen Orten sah es aus wie sonst im Oktober. Eingewanderte Schädlinge wie die Kastanienminiermotte sind schon seit längerem für den frühzeitigen Laubfall bekannt. Auch die Platanennetzwanze überlebt die immer milderen Winter und nimmt in ihrem Bestand zu. Doch nicht nur Trockenstress und Stürme verkürzen die Lebenserwartung von Stadtbäumen. Hundeurin und Streusalz setzt den Strassenbäumen ausserdem stark zu und falsch parkende Autos fügen ihnen immer wieder Schäden und Verletzungen zu.

Die Stadtgärtnerei Basel stellt sich schon lange auf die neuen klimatischen Bedingungen ein. In engem Kontakt mit europäischen Baumschulen sucht sie vorausschauend nach geeigneten Baumarten. Gefragt sind dabei nicht einzelne extrem robuste Superstars. Das Gebot in Zeiten des Klimawandels ist eine grösstmögliche Arten- und Sortenvielfalt. Zudem setzt die Stadtgärtnerei auf Bäume aus wärmeren Zonen Eurasiens und Nordamerikas: So wurden an der Entenweidstrasse 75 Zerr-Eichen gepflanzt. Diese Baumart stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum. Sie kommt gut mit Trockenheit zurecht und ist resistent gegen Spätfröste. Die Seidenakazien auf dem Hebelplatz ist ebenfalls ein Stadtbaum der Zukunft. Sie kommt aus dem Iran und China. Heimische Bäume werden fast nur noch in grösseren Grünanlagen und Parks gepflanzt.

Lieber Klassiker oder importierter Exot? Was halten Sie vom grünen Wandel?
Seidenakazie Hebelplatz
Seidenakazien auf dem Hebelplatz im St. Johann

2011-11-04

2000 What?

Von umweltundenergie @ 11:34 [ Energie ]
«2000 Watt – Ein neues App fürs I Phone?» Oder:«Ist das so was wie die Note 6 nur in anderen Worten ausgedrückt?» Eine Umfrage von jungen Leuten im Vorfeld des Kongresses '2000 Watt Start' in Basel verdeutlichte, dass keiner der Befragten eine rechte Ahnung hatte, worum es dabei geht. Dass die 2000 Watt-Gesellschaft für den Basler Regierungsrat ein zentrales Leitmotiv ist, dürfte in weiten Teilen der Bevölkerung auch noch nicht überall bekannt sein, obwohl es so im Legislaturplan 2009 – 2013 steht.

Immerhin beansprucht heute jeder und jede in der Schweiz im Durchschnitt kontinuierlich 6500 Watt für Wohnen, Arbeiten, Mobilität, Freizeit etc. Die Absenkung des Energiebedarfs auf 2000 Watt pro Kopf Dauerleistung ist Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft. Damit kann eine Person zum Beispiel jeden Tag 50 Waschmaschinen laufen lassen oder 64 Kilometer Autofahren oder 2 Stunden warm duschen. In der Schweiz bedeutet dies eine Senkung des Energieverbrauches um etwas mehr als zwei Drittel, wobei die Energieversorgung zu ¾ aus erneuerbaren Quellen stammen soll.

Stellschrauben für eine klimaverträgliche Energiezukunft liegen in Basel prioritär in der Sanierung von Gebäuden. Weitere Einsparpotenziale können in erster Linie beim Prozesswärme- und Strombedarf der Industrie ausgeschöpft werden. Ausserdem soll der motorisierte Individualverkehr zu Gunsten des öffentlichen Verkehrs und des Langsamverkehrs reduziert und allmählich elektrifiziert werden. Bei allen Massnahmen müssen die erneuerbaren Energien und Abwärme genutzt werden. Grosse Potentiale zur Senkung des Energieverbrauchs stecken noch in Verhaltensänderungen (Suffizienz) und einer Abkehr von der Wegwerfgesellschaft hin zur Kreislaufwirtschaft.

Dieses Ziel müssen wir global erreichen. Damit der Energieverbrauch langfristig klimaverträglich wird, darf der Primärenergiebedarf jedes Erdenbewohners nicht mehr als 2000 Watt entsprechen.

Ist die 2000 Watt-Gesellschaft Ihrer Ansicht nach schon in den Köpfen der Menschen angekommen? Was braucht es, um sie besser bekannt zumachen?
2000 watt
Der Weg ist das Ziel

2011-10-19

Zukunftsmusik oder Lärmbelästigung

Von umweltundenergie @ 08:40 [ Lärm ]
„Ich spiele lieber drinnen, denn da gibt es Steckdosen.“ Immer mehr Kinder verbringen ihre Freizeit indoor und immer seltener draussen vorm Haus, auf der Strasse und in der Natur. In den USA häufen sich Berichte über das 'Nature Defiency Syndrome' (NDS): Es befällt vor allem Kinder, die nicht mehr draussen spielen, sondern meist vor dem Bildschirm leben – Hyperaktivität und Schwermut sind einige Symptome, auf Wiesenboden zu stolpern ein anderes.

Auch Franziska Reinhard und weitere Personen aus Basel sind davon überzeugt, dass sich Kinder vor allem im Freien unbeschwert bewegen und herumtollen sollen, um sich entfalten und gut entwickeln zu können - mit all den Begleitgeräuschen, die Kinder oft ungehemmt zum Ausdruck bringen, wie Kreischen, Schreien, Heulen, Jaulen, Juchzen etc. Wäre es nach ihnen gegangen, wäre Kinderlärm als Geräusch nun gesetzlich geschützt.

In ihrer Motion vom vergangenen Jahr wollten sie erreichen, dass selbst störende Geräusche von Kindern keine ‚schädliche Umwelteinwirkung‘ mehr sind und die Klagemöglichkeiten der Nachbarn eingeschränkt werden.

Die Motion wurde nicht überwiesen u.a. mit dem Hinweis auf das Bundesgericht, dass keine pauschalen Beurteilungen aufgrund der Lärmart möglich sind bzw. rechtlich festgehalten werden dürfen. In Basel-Stadt haben die Behörden zudem nur mit ganz vereinzelten Beschwerden von Anwohnenden zu tun.

Finden Sie den Entscheid richtig? Wäre mit der rechlichen Duldung von Kinderlärm ein Freifahrtschein für rücksichtsloses Verhalten ausgestellt worden? Oder sollten Kinder nach Lust und Laune singen, tanzen, springen, lachen, laut sein und herumrennen - ob draussen im Freien auf Spielplätzen, in der Wohnung oder im Tagesheim?
laute Kinder
Schreien macht Spass, kann aber auf die Nerven gehen

2011-09-27

Bebbisäcke zu Unzeiten

Von umweltundenergie @ 11:52 [ Abfall ]
Irgendwo leuchtet es auf Basels Trottoirs immer hellblau – besonders an Wochenenden oder vor und während Feiertagen. Die Rede ist von den blauen 'Bebbisäcken', den offiziellen Plastikabfallsäcken der Stadt Basel. Sie werden vielerorts zu Unzeiten vors Haus gestellt und sorgen immer wieder für emotional geführte Stadtgespräche.

Für viele Baslerinnen und Basler sind sie aus ästhetischen Gründen ein Dorn im Auge, weil sie das Stadtbild mit ihrer Dauerpräsenz verschandeln. Andere stört der Geruch, der von den Bebbisäcken ausgeht, wenn sie lange in der Sonne schmachten müssen. Ganz abgesehen von den hygienischen Problemen, die Krähen verursachen, wenn sie die Säcke aufreissen und Abfälle auf dem Trottoir verstreuen, Ratten anziehen, die nach Futter suchen und sich Insekten ansammeln. Zur falschen Zeit bereitgestellte Kehrichtsäcke beeinträchtigen die Wohnqualität der betroffenen Quartiere.

Dabei dürfen Bebbisäcke erst am Abfuhrtag oder, wenn die Abfuhr vor 8.00 Uhr erfolgt, am Vorabend für die Kehrichtabfuhr bereitgestellt werden. So steht es in der Verordnung über Abfallsammlungen. Wer sich trotz Hinweis per Infoflyer und vorab erfolgter Mahnung nicht daran hält, muss mit einer Gebühr von maximal CHF 100.- für das unzeitige Bereitstellen von Bebbisäcken rechnen.

Geht der Staat mit den "unzeitigen Bebbisündern" zu nachsichtig um oder gar zu streng? Empfinden Sie die ganze Sache als Sturm im Wasserglas? Würden Sie Ihren Nachbarn/ Ihre Nachbarin darauf ansprechen, wenn Sie bemerken, dass er oder sie den Bebbisack zu früh bereitstellt? Was machen Sie, wenn Sie in die Ferien fahren?

Ein Haufen Abfall
Haufenweise unzeitiger Abfall

2011-09-12

Gut leben in Basel 2020

Von umweltundenergie @ 16:49 [ Allgemein ]
Gastbeitrag von Thomas Kessler, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung Basel-StadtThomas Kessler

Die Kantons- und Stadtentwicklung hat den Auftrag, die Gestaltungskraft der Politik zu erhöhen, damit die Ziele zur Steigerung der Lebensqualität und Verminderung des Energieverbrauchs erreicht werden (Legislaturplan). Das ist nur möglich, wenn neben technischen Verbesserungen auch ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte so miteinander verwoben werden, dass neue Arbeits- und Lebensmodelle entstehen, die gleichzeitig attraktiv und nachhaltig sind.

Wir vergleichen zwei dreiköpfige Familien, die bei gleichem Jahreseinkommen unterschiedlich leben. Die Familie Fischer wohnt in Magden in einem herkömmlichen Einfamilienhaus und macht die Wege zwischen Haus, Arbeit, Freizeit und Einkauf mit dem Auto. Die Familie Müller wohnt in einem Minergie-Hochhaus im Umfeld der Landauerstrasse in Basel, legt kurze Wege zu Fuss oder mit dem Fahrrad zurück, für längere Wege sind die Familienmitglieder im Besitz eines Generalabonnements.

Im Vergleich sehen die finanzielle sowie die Zeit- und Energiebilanz folgendermassen aus:
Finanzielle Bilanz: Unter Berücksichtigung der Steuern, Krankenkassenprämien und Mietzinsen einerseits und den Ausgaben für die Mobilität und den Energieverbrauch andererseits ist die finanzielle Bilanz ungefähr ausgeglichen, allfällig steigende Energiepreise nicht miteingerechnet.
Zeitbilanz: Herr und Frau Müller haben durch die kurzen Wege zwischen Wohnung, Arbeit, Freizeit und Einkauf rund 150 Stunden pro Jahr mehr Freizeit als Herr und Frau Fischer -Zeit, die sie für sich selber verwenden oder mit ihrem Sohn verbringen können.
Energiebilanz: Die Familie Müller verbraucht rund 10 Mal weniger CO2 für Wohnen und Mobilität als die Familie Fischer. Würden Fischers in einem energiesanierten Einfamilienhäuschen wohnen und mit einem 3-Liter-Auto fahren, so würden sie immer noch 3 Mal mehr CO2 verbrauchen als die Familie Müller.

Die Stadt der kurzen Wege bietet aber mehr als nur bessere Zeit- und Energiebilanz: Beispielsweise die Nähe zu sehr vielfältigen Kultur- und Freizeitangeboten, familienexterne Betreuungsangebote und weiterführende Schulen. Ein Beispiel für ein visionäres Lebensmodell der Familie Müller, das die verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigeit miteinander verbindet, ist hier ausformuliert. Die neue Wohnraumstrategie der Regierung und die Zonenplanrevision haben zum Ziel, in Basel mehr neue und kreative Wohnformen für jede Lebensphase zu ermöglichen. Damit leistet Basel einen wichtigen Beitrag gegen die schweizweite Zersiedelung.

Können Sie sich vorstellen, mehr Lebensqualität zu haben und gleichzeitig weniger Energie zu brauchen? Leben Sie vielleicht schon so? Oder ist das Ihrer Meinung nach eine Utopie?

2011-08-29

Klimawandeln

Von umweltundenergie @ 09:25 [ Allgemein ]
Der Einfluss des Klimawandels wird sich voraussichtlich in allen Regionen unseres Planeten bemerkbar machen und damit auch in Europa, inclusive der Schweiz. Bis 2050 wird sich hier die Nullgradgrenze von heute 840 m ü.M. auf ca. 1200 m.ü.M. verschieben. Die zu erwartenden Klimafolgen für den Kanton Basel-Stadt werden detailliert im kürzlich veröffentlichten Bericht über die Folgen des Klimawandels im Kanton Basel-Stadt aufgezeigt.

Das was im Klimafolgenbericht mit Zahlen, Fakten, Massnahmen und Kosten dargelegt wird, kann man auf dem neuen Klimaweg zwischen Friedhof Hörnli und St. Chrischona persönlich erleben und anschauen. Denn schon heute führen die steigenden Temperaturen, die der Klimawandel mit sich bringt, zu sichtbaren Änderungen in der Natur. So erfährt man auf der 3. Station bei der Lehmgrube, dass die Stieleichen im Wald um die Horngrube in Zukunft zum Vorteil z.B. des Mittelspechtes noch zunehmen werden. Doch unter den rund 500 Insektenarten, welche die Stieleiche beherbergt, befinden sich auch neu eingewanderte Schädlinge. So hat der Buchsbaumzünsler dem Buchswald schlimm zugesetzt, was man erschreckend deutlich an den abgefressenen Buchsbaumgerippen erkennen kann.

Mit dem Klimaweg wird ein etwas anderer Weg der Kommunikation beschritten. Während man sich bisher immer nur erzählte, dass die Uhr auf 5 vor 12 steht, wenn man nicht dies oder jenes tut, lernt man dort nicht das Fürchten. Vielmehr sollen die Infos und Installationen die Klimawandler zum Staunen bringen. Auch grundlegende Wertehaltungen sollen hinterfragt werden.

Der Klimaweg öffnet somit nicht nur das Herz, sondern auch neue Horizonte und Perspektiven für das eigene Leben im (Klima-) Wandel. Können Sie dem Klimawandel auch Chancen abgewinnen? Oder finden Sie, wir sollten weniger reden, dafür endlich mehr handeln und z.B. weniger Auto fahren, weniger fliegen, weniger Fleisch essen und dafür mehr stromsparen und auf die entsprechenden Technologien setzen?
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Ungewohnte Perspektiven eröffnet der neue Basler Klimaweg auf die Schönheit unseres Planeten - wie damals beim Blick aus den Fenstern des Raumschiffs auf die aufgehende Erde während der Mondumkreisung von Apollo 8 im Jahr 1968.

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