2013-05-14

Warum sollte gerade ich….am 5. Juni in den "PARK"* gehen?

Von umweltundenergie @ 15:36 [ Allgemein ]
Vielleicht ist der Himmel am Mittwoch, dem 5. Juni blau und die Temperaturen hoch. Trotzdem gibt es gute Gründe, am Abend ins Theater zu gehen und eine kühne Schweizvisionen vergnüglich und mit Live-Soundtrack, aber nicht ganz ungetrübt mitzuverfolgen:

"DER PARK" zeigt eine Schweiz in nicht allzu ferner Zukunft, die sich in einem untergegangenen Europa als Themenpark für reiche Touristen aus dem asiatischen Raum eine Überlebensmöglichkeit geschaffen hat. Wortakrobat Gabriel Vetter macht dem fortschrittsgewohnten und heilen Land in seinem ersten Theaterstück ein abruptes Ende - frisch, frech und ungeheuerlich: Was, wenn uns das Wasser bis zum Halse steht, Umwelt und Demokratie unter Druck geraten? Was, wenn am Ende etwas Unvorhersehbares in unser wohlkalkuliertes Leben einwandert, zum Beispiel ein Biber? Der Biber spielt nicht mit, sondern macht sein eigenes Ding. Er baut aus der Kulisse einen Damm, weil er nicht anders kann, als umbauen, denn das ist seine Natur…

Einmalig: Am Mittwoch, 5. Juni 2013, dem Internationalen Tag der Umwelt, trifft um 20 Uhr das Theater Basel die Umwelttage Basel! Die spannende Kooperation ist gelungen, weil Künstler und Künstlerinnen mehr als andere darin geübt sind, mit Übergängen und Veränderungen umzugehen - gesellschaftspolitischen genauso wie umweltpolitischen. Der kreative Theatermann Martin Wigger und der kenntnisreiche Energie- und Friedensforscher Daniele Ganser kommen nach dem Schauspiel für ein Gespräch zusammen, um anders als gewohnt Handlungsspielräume in unserer reichen, gut organisierten Gesellschaft auszulegen. Denn das Stück lässt viele reale Fragen offen: Wie kann die Schweiz überleben angesichts wachsender Knappheiten und ungleicher Verteilung von Rohstoffen? Wer hat hier wirklich was zu verlieren – oder zu gewinnen? Wie kann der Umbau in eine gute Zukunft funktionieren? Wir dürfen gespannt sein auf Vision und Wirklichkeit einer Schweiz, wie wir sie kannten!

Sind Sie neugierig geworden auf die Schweiz als Freizeitpark oder geht Ihnen die bitterböse Fantasie einer bröckelnden Park-Schweiz doch zu weit?

link zum Trailer
DER PARK, 5. Juni

Umwelttage Basel 1. und 5. Juni 2013
Samstag, 1. Juni, ganzer Tag: Markt der Möglichkeiten auf dem Barfüsser- und Theaterplatz; Mittwoch, 5. Juni 20 Uhr: * DER PARK. Schauspiel von Gabriel Vetter. Theater Basel Kleine Bühne. Nach der Fiktion die Facts: Publikumsgespräch mit Daniele Ganser und Martin Wigger. Moderation Esther Maag.

2013-04-24

Einweg-Pfand

Von umweltundenergie @ 16:57 [ Abfall ]
Vor zwei Wochen sprach sich der Nationalrat gegen ein obligatorisches Getränkepfand auf Einwegflaschen aus. Schon im vergangenen September hatte er eine Standesinitiative des Kantons Basel-Stadt knapp abgelehnt.

Während das Pfandsystem auf Einwegflaschen und Alu-Dosen in Deutschland dieser Tage sein 10jähriges Bestehen feierte, soll das gewohnte Verursacherprinzip in der Schweiz beibehalten werden: Mit Recyclinggebühren auf Aludosen, Glas- und PET-Flaschen zahlt man wie bisher beim Kauf schon im Voraus die Kosten fürs Einsammeln und die Wiederverwertung zu neuen Flaschen oder Dosen.

Inzwischen wird das Recyclingsystem aber immer mehr in Frage gestellt. Die Wiederwervertungsquote von Getränkeverpackungen ist zwar immer noch viel höher, als das vom Bund vorgegebene Minimum von 75%, das die Recyclingbranche vor der Pfandpflicht verschont. Der Gesamtumsatz von Kunststoffflaschen und Aludosen hat aber um 60% zugenommen - und ebenso natürlich auch die Zahl der Flaschen und Dosen, die nicht in den Recyclingstationen landen. Das vermüllte Erscheinungsbild auf Plätzen und an Flussufern nach Schönwettertagen gibt zu denken. Und die Reinigung geht den Städten und Gemeinden ins Geld, ganz zu schweigen von den Schnittverletzungen, die Kühe auf Weideflächen durch herumliegende Aludosen erleiden.

Wie weiter mit dem Schweizer Recyclingsystem? Braucht es jetzt noch mehr Abfallkontrolleure, damit es mit der Rückgabe von Einwegflaschen wieder besser klappt? Würde ein Pfand auf Einwegflaschen und –dosen das achtlose Wegwerfen Ihrer Meinung nach verhindern? Was muss passieren?

Rheinbord
Kleinbasler Rheinbord nach dem ersten schönen Frühlingstag am frühen Samstagmorgen, 2. April 2011.

2013-04-02

Der Run auf die Bio-Klappe

Von umweltundenergie @ 11:41 [ Abfall ]
Herr Lehmann wohnt in einem Einfamilienhaus mit Garten im Neubad. Als Hobbygärtner hat er selbstverständlich einen Kompost. Doch seine Kräfte lassen die regelmässige Pflege und das jährliche Ernten des Kompostes langsam nicht mehr zu. Hochwillkommen wäre ihm deshalb eine Bio-Klappe, die seit Anfang März mit acht Sammelstellen getestet wird. Denn organisches Material aus Küche oder Garten in den Abfallsack zu schmeissen, ist für den 85jährigen ein absolutes No-Go.

Auch für Städterinnen und Städter, die bisher nicht kompostiert haben, liegen die Vorteile auf der Hand: Der Kehrichtsack wird entlastet und man spart Geld. Und gut zu wissen, dass die eigenen Kartoffelschalen und der verwelkte Blumenstrauss zu Rohgas, Kompost und Flüssigdünger verwertet werden.

Die Chipkarten für die Bio-Klappen zu 11 Franken für 20 Entsorgungen waren in Kürze ausverkauft. Das Biomasserecycling ist quasi über Nacht zum Renner geworden. Dabei ist die dezentrale Kompostierung nach wie vor beliebt. Die Bio-Klappe soll denn auch als Ergänzung zum Kompostieren im Hinterhof oder auf dem Quartierkompostplatz dienen und keine Konkurrenz dazu sein.

Hätten Sie auch gern eine Bio-Klappe in Ihrer Nähe? Oder ziehen Sie die Kompostierung im eigenen Garten, im Hinterhof bzw. auf dem Quartierkompostplatz vor? Wäre eine separate Bioabfuhr wünschenswert? Was darf die Entsorgung von Bioabfällen kosten – sind 55 Rappen pro 10-Liter-Sack angemessen?

Bio-Klappe an der Zürcherstrasse
Bio-Klappe an der Zürcherstrasse

2013-03-20

Umwelttage Basel 2013: Umwelt c'est moi!

Von umweltundenergie @ 14:27 [ Allgemein ]
Eine Weide für Bienen anlegen, Sachen und Zeit tauschen oder einmal StreetStepper ausprobieren: Am Markt der Möglichkeiten (Samstag, 1. Juni) laden mehr als 50 Organisationen, Firmen und staatliche Stellen die interessierte Bevölkerung zur freudigen Auseinandersetzung mit der Umwelt - und dabei gleichzeitig mit uns selbst ein. Denn wir sind Teil der Umwelt. Und um uns bewusst zu machen, dass wir mit Umwelt und Natur eng verbunden sind, lautet das Motto der diesjährigen Ausgabe der Umwelttage 2013: 'Umwelt c'est moi'.

Während man am Samstag draussen auf dem Barfüsser- und Theaterplatz köstliches Quellwasser und Bio-Empanadas geniessen, beim Kesselspritzen mitspielen und Natur in der Stadt sinnlich erleben kann, geht es am 5. Juni, dem UNO-Umwelttag auf die Bretter, die die Welt bedeuten, hinein ins Theater Basel.

Wie könnten das Leben und die Umwelt einer Schweiz nach der Bankenkrise aussehen? Hausautor und Poetry Slammer Gabriel Vetter stellt es sich in seinem Schauspiel 'Der Park' in etwa so vor: Abgeschottet von der kriselnden Restwelt, als exklusiver Themenpark, viel bewundert von reichen Touristen. Doch welche Alternativen gibt es trotz wachsender Knappheiten und ungleicher Verteilung von Rohstoffen für eine sichere, angenehme, gesunde und gerechte Zukunft? Nach dem Stück machen Daniele Ganser, Energie- und Friedensforscher und Co-Schauspielleiter Martin Wigger zusammen mit dem Publikum den «Reality-Check». Wir dürfen gespannt sein auf Vision und Wirklichkeit.

Das Programmheft der Umwelttage 2013 ist jetzt online. Klicken Sie doch mal durch und sagen Sie uns, was Ihnen persönlich dabei noch fehlt. Was könnte die Umwelttage noch attraktiver machen, damit wir uns unserer Verbundenheit mit der Umwelt besser bewusst werden? Wir freuen uns über Ihre Vorschläge, schiefe und krumme Ideen sowie über alle Anregungen.
Ein Herz für die Umwelt
Ein Herz für die Umwelt

2013-02-25

Kläranlagen aufrüsten oder grünere Chemie?

Von umweltundenergie @ 09:20 [ Gewässer ]
Dass hier in der Region eine Grippewelle grassiert, merkt man nicht nur an den vielen krankheitsabwesenden Kollegen und Kolleginnen. Auch in den Rheinwasserproben des AUE-Labors werden seit einiger Zeit erhöhte Werte des Schmerz- und Fiebermittels Paracetamol nachgewiesen. Grund dafür ist, dass Arzneien vom menschlichen Körper nicht vollständig verwertet werden. Beispielsweise werden durchschnittlich nur 30 Prozent der Wirkstoffe von Antibiotika im Körper aufgenommen. Der Rest wird mit dem Urin wieder ausgeschieden und gelangt in die Abwässer.

Selbst moderne Kläranlagen schaffen es oft nicht, den Cocktail aus Chemikalien, Pestiziden und Arzneimittelrückständen zu beseitigen. Ungeklärt gelangt er dann in die Gewässer. Zwar liegen die im Rhein gemessenen Mengen unter den Grenzwerten. Welche Langzeitwirkungen solche Stoffe haben können, ist aber nicht wirklich bekannt.

Jetzt möchte der Bund rund 100 Kläranlagen in der Schweiz aufrüsten. Im Vordergrund stehen zwei Verfahren: eines mit Ozonierung und eines mit Pulveraktivkohle. Beide sollen rund 80 % der Chemikalienrückstände aus den Abwässern entfernen können. Der Aufwand dafür wird mit etwa 1,2 Milliarden Franken veranschlagt.

Statt Abwässer aufwändig zu reinigen, sollen Medikamente und andere Chemikalien so beschaffen sein, dass sie in Kläranlagen problemlos abbaubar sind, fordert Klaus Kümmerer, Professor für Nachhaltige Chemie an der Universität Lüneburg. Dass Chemie tatsächlich auch nachhaltig beschaffen sein kann, beweist ein umfangreicher Leitfaden, den das Umweltbundesamt Berlin zusammen mit dem Öko-Institut Freiburg erstellt hat. Er soll Herstellern, Formulierern und Endanwendern von Stoffen und Gemischen helfen, verstärkt Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen, wenn sie Chemikalien auswählen. Klaus Kümmerer jedenfalls ist es gelungen, zusammen mit dem Krebsforschungszentrum Heidelberg einen neuen Wirkstoff zur Krebsbekämpfung zu entwickeln, der problemlos abbaubar ist.

Sollen die Kläranlagen Ihrer Meinung nach aufgerüstet werden oder soll die Chemie vielmehr nachhaltigere und ungefährlichere Substanzen einsetzen? Haben wir es selbst in der Hand, indem wir weniger Chemikalien in Haushalt, Industrie, Garten und Landwirtschaft verwenden?

Mehr grüne Chemie?

Ist die Zukunft der Chemie grün?

2013-01-28

Verkehrsüberlastung*

Von umweltundenergie @ 09:30 [ Mobilität ]
Ich stehe am Bahnhof, an einer Tram- oder Busstation und warte. Der Zug, das Tram oder der Bus kommt fünf, zehn, manchmal zwanzig Minuten später. Oder gar nicht. Eine Ansage bittet mich um Verständnis. Hin und wieder kommt es auch vor, dass ich mich in einen überfüllten Zug, Bus oder in ein volles Tram quetsche oder freiwillig auf die nächste Verbindung warte, weil einfach kein Platz mehr ist.

Dass bei extremen Wetterverhältnissen Verzögerungen eintreten, kann ich gut nachvollziehen. Vermehrt kommt es aber auch bei normalen Wetterbedingungen zu Verspätungen und Unterbrüchen. Ende 2012 habe ich das häufig erlebt. Inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt und deutlich verbessert. Und ich bin froh, dass ich meinen Arbeitsweg nun wieder problemlos bewältigen kann.

Ich war neugierig und wollte wissen, ob es sich bei meinem Beispiel um eine Ausnahme handelt. Denn viele Leute, vor allem Pendler sind ja auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, wenn sie zur Arbeit oder sonst irgendwo hin wollen oder müssen. Und nicht jeder hat ein Auto (ich zum Beispiel habe keines) und eigentlich tut man doch was Gutes für die Umwelt, wenn man mit dem Öffentlichen Verkehr unterwegs ist. Auf der offiziellen facebook-Seite der SBB habe ich dann einen Hagel von Kritik von Unzufriedenen gefunden, die ihrem Ärger und ihrer Enttäuschung freie Luft lassen, leider nicht immer konstruktiv.

Was machen Sie, wenn der öffentliche Verkehr überlastet ist? Nehmen Sie Verspätungen zähneknischend in Kauf? Oder steigen Sie immer öfter um aufs Auto, aufs Motorrad oder Mofa? Nehmen Sie auch mal das Velo aus dem Keller?

*von M. Glättli, Praktikant
combino
Abendliche 'rush hour' am Badischen Bahnhof
Foto: Juri Weiss

2012-12-13

Leichter leben

Von umweltundenergie @ 08:34 [ Allgemein ]
Leihen, tauschen, teilen, schenken. Weltweit hält ein neuer Trend Einzug. Von Collaborative Consumption oder gemeinschaftlichem Konsum ist die Rede. Das, was seit ca. 1970 unter dem Begriff 'Nutzen statt Besitzen' läuft, ist durch das Internet als Vermittlungsinstanz zu einer neuen Konsumform geworden. Ob Carsharing, Kleidertauschbörsen, Chemikalien-Leasing, Gemeinschaftsgärten, Wohnungstausch zum Mainstream avancieren werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass digitale und reale Tauschbörsen nicht zuletzt wegen ihres sozialen Mehrwertes zunehmend geschätzt werden.

Auf der internationalen Konferenz "Digital Life Design 2012" wurde gemeinschaftlicher Konsum zum Trendthema 2012 auserkoren. Das Times Magazin behauptet sogar, dass diese Konsumkultur eine der zehn grossen Ideen ist, die die Welt verändern werden.

Jüngstes Beispiel für bewussten und ressourcenschonenden Umgang mit den Dingen ist der Tauschkasten. Er wurde am 6. Dezember im Gundeldinger Quartier an der Güterstrasse 244 eröffnet und findet regen Zuspruch. Er funktioniert wie ein öffentlicher Bücherschrank nach dem Prinzip 'Bring + Nimm'.

15 Jahre alt und bewährt ist die Geschenk-Tausch-Aktion von Kindern für Kinder. Am nächsten Mittwoch, 19. Dezember ist zugleich Höhepunkt und Abschluss der Aktion. Dann können Kinder ihren Bon, den sie zuvor für die Abgabe von zwei Spielzeugen bekommen haben, für ein neues gebrauchtes Spielzeug einlösen. So kommen die vernachlässigte Puppenstube oder die Piratenfestung wieder in neue Kinderhände.

Mehr oder weniger oder anders? Über neue Leitvorstellungen zur Entkoppelung von Lebensqualität und Umweltverbrauch werden sich in Kürze auch ÖkonomInnen, Unternehmer, Soziologen, Philosophen und Praktiker im Rahmen einer Tagung im Ackermannshof (31.1. bis 1.2. 2013) auseinandersetzen.

Glauben Sie an eine Zukunft der Ökonomie des Teilens? Reizt es Sie, materiellen Ballast abzuwerfen nach dem Modell von Hans im Glück? Oder klingt Nutzen statt Besitzen eher nach dem Ende der Gemütlichkeit?
Spielzeug tauschen
Tauschen und Teilen von Kindern für Kinder

2012-12-03

Artistische Klimakonferenz

Von umweltundenergie @ 10:45 [ Allgemein ]
Mitte dieses Jahres fand mit Rio+20 ein Gipfeltreffen in Brasilien statt, das unter dem Titel 'Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung' lief. In der Abschlusserklärung bekannte man sich zu nachhaltigem Wirtschaften, zum Modell der Green Economy sowie zu gemeinsamen Zielen im Kampf gegen Hunger, Armut, Bodenerosion, Klimawandel und dessen Folgen.

In diesen Tagen findet die UN-Klimakonferenz in Doha im arabischen Emirat Katar statt. Hier soll das Kyoto-Protokoll verlängert und ein globaler Klimaschutzvertrag entwickelt werden, mit dem sich von 2020 an auch Länder wie die USA und China klare Klimaschutzziele setzen sollen. Die Probleme sind und bleiben gross. Was tun?

Die britische Compagnie „Wired Aerial Theater“ rückt dem globalen Klimawandel mit einer vertikalen Klimakonferenz dramaturgisch zu Leibe. Es lohnt sich sehr, sich Zeit zu nehmen und das 8minütige Video zum Stück "As the world tipped" - weltweit einzigartig und zuletzt aufgeführt in diesem Sommer in München - bis zum Schluss zu schauen!!

Was halten Sie davon? Würden Sie sich das Openair-Theater live anschauen, wenn es in die Schweiz käme?
vertikale Klimakonferenz
Vertikale Klimakonferenz

2012-11-15

Der Herr der Blätter

Von umweltundenergie @ 08:29 [ Lärm ]
Laubbläser und Laubsauger sorgen mühelos für Ordnung in herbstlichen Gärten, Parks, Rabatten und Gehwegen. Und sie sorgen zunehmend für Missmut bei Passanten und Anwohnern. Denn nicht nur die Stadtgärtner und Stadtreiniger setzen die hocheffizienten Geräte ein. Auch Hobbygärtner und Hausmeister von Schulen und Mietshäusern nutzen die praktischen Geräte, um gleich noch Unrat und Schnee vom Hof und aus der Einfahrt weg oder Sand zurück in den Sandkasten zu blasen.

Für die einen unverzichtbar, für die anderen ein vermeidbares Ärgernis. Manche Geräte sind mit bis zu 115 Dezibel so laut wie ein Presslufthammer und erzeugen Luftstösse bis zu 150 km/h. Um die Staub- und Lärmemissionen und die Nachteile für Regenwürmer, Spinnen, Asseln, Igel, Spitzmäuse und Kröten so gering wie möglich zu halten, arbeitet die Stadtgärtnerei Basel inzwischen nach strengen ökologischen Grundsätzen. In diesem Jahr wurden elektrisch betriebene Geräte angeschafft.

Die deutsche Stadt Marburg hat sich für Entschleunigung bei der Laubbewältigung entschieden und ist schon 2007 wieder zum guten alten Reisigbesen und Rechen zurückgekehrt. Laubbläser werden nur noch auf Friedhöfen eingesetzt.

Könnten Sie sich vorstellen, Abstriche bei der Sauberkeit zu machen?
laub
Harke oder Laubbläser?
Foto: Juri Weiss

2012-11-07

Ewiger Kreislauf

Von umweltundenergie @ 15:25 [ Abfall ]
Die Schweiz ist arm an Bodenschätzen und dennoch ein rohstoffreiches Land. Denn unsere Städte sind wahre Rohstofflager. Metallträger in alten Gebäuden oder Kupferleitungen in der Erde: Verbaute Rohstoffe sind die Rohstoffminen der Neuzeit. In Zeiten immer knapper werdender Ressourcen sollen jetzt Gebäuderuinen, Klärschlamm, Schrottplätze, alte Mülldeponien und Schlacke aus Kehrichtverbrennungsanlagen dazu beitragen, das Rohstoffproblem zu lösen.

In Zürich werden im Rahmen eines vielversprechenden Modellprojektes alle verbrauchten Rohstoffe in Gebäuden registriert, damit verbaute Rohstoffe im Fall eines Abrisses oder einer Sanierung zukünftig gar nicht erst als Bauschutt entsorgt werden.

'Urban mining' oder 'Bergbau in der Stadt' heisst diese Strategie zur Rohstoffgewinnung und bedeutet: Weg von der Abfallwirtschaft und hin zur Kreislaufwirtschaft. Gebäude und Produkte sollen als eine Art Zwischenlager betrachtet werden. Nach Ablauf ihres Lebenszyklus sollen die darin vorhandenen Rohstoffe wieder zurückgewonnen und in neue Produktionsprozesse übergeführt werden. Im Gegensatz dazu ist das übliche Recycling mit hohen Verlustquoten verbunden, die wir uns in Zeiten knapper werdender Rohstoffe wohl bald nicht mehr leisten können.

Der Umweltexperte und Chemiker Michael Braungart geht sogar so weit, dass Abfall gar nicht erst entstehen muss. Nach dem Prinzip des ewigen Kreislaufes forscht er daran, Produkte so zu entwickeln, dass sie keine Schadstoffe enthalten und nach Gebrauch zu 100 Prozent wieder in neue Kreisläufe gehen. So hat er für die Passagiersitze der Airbus-Flugzeuge kompostierbare Sitzbezüge entworfen oder Fenster, die nach Ablauf ihrer Lebenszeit wieder in den Kreislauf der Natur zurückgeführt werden. Der Pionier Braungart meint: „Das Fenster wird nur mehr gemietet, gekauft wird bloss noch der Ausblick“.

Weg von der Minimierung des Schadens, hin zur Maximierung des Nutzens. Halten Sie eine echte Kreislaufwirtschaft für realistisch?
messe
Neubauten - Rohstoffquelle der Zukunft?
Foto: Juri Weiss

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